UMBAU UND SANIERUNG alte Schule
BAUHERR:
GEMEINDE SINN
Einleitung / Aufgabe:
Das denkmalgeschützte Gebäude „Alte Schule“ im historischen Ortskern von Sinn wurde 1901 unmittelbar neben der Kirche erbaut. Das ehemalige Schulgebäude hat aufgrund seiner geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung den Status als Kulturdenkmal erhalten und wurde zuletzt als Haus der Vereine genutzt. Eine umfangreiche Sanierung des Gebäudes war erforderlich. Möglich gemacht hat das eine Förderung im Rahmen der Dorfentwicklung durch das Land Hessen.
Aufgrund erheblicher Defizite, durch jahrzehntelangen Investitionsstau, waren sämtliche Oberflächen der Räume und WCs erneuerungsbedürftig. Die Sicherheit gemäß heutiger Brandschutzstandards war nicht mehr gewährleistet. Im Zuge der Baumaßnahme sollte der Ölschaden aus dem Jahr 2014 saniert, sowie das gesamte Erdgeschoss barrierefrei umgebaut werden.
Konzeption
Die Gemeinde Sinn verfügt über viele Einwohner, die freiwillig engagiert in zahlreichen Vereinen und Gruppierungen aktiv sind. Das Gebäude mit den sanierten und nun multifunktional nutzbaren Räumen kann nun von allen Interessierten und Vereinen flexibel genutzt werden.
Die Funktion der Räumlichkeiten ist nun verbessert und das charakteristische, ortsbildprägende Gebäude steht der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. Durch technische Einbauten sind unterschiedlichste Nutzungen möglich. Dadurch schafft die Gemeinde
einen geeigneten Rahmen, um bürgerliches Engagement und soziales Miteinander direkt in der „kulturellen Mitte“ zu ermöglichen. Um auch Menschen mit Behinderungen die Nutzung zu ermöglichen, wurde ein ebenerdiger, seitlicher Zugang zum Kirchhof errichtet. Die Schwelle am Haupteingang ist beseitigt und ein barrierefreies Behinderten-WC im seitlichen Anbau eingebaut. Dadurch ist das Erdgeschoss nun auch von Personen mit Behinderungen nutzbar.
Allgemein:
Aufgrund des fehlenden 2. Fluchtwegs und baulicher Defizite durfte das Gebäude vor der Sanierung nur in Teilbereichen genutzt werden. Zur Kompensation des fehlenden Fluchtwegs musste das vorhandene Treppenhaus durch den Einbau einer Spülluft/Rauchverdrängungsanlage und einer Brandmeldeanlage ausgestattet werden. Um ein Eindringen von Rauch ins Treppenhaus zu verhindern, sind Türanlagen für die erforderlichen Brand- und Rauchabschlüsse hergestellt. Dadurch ist das Treppenhaus nun jederzeit nutzbar.
Wegen des Ölschadens waren aufgrund der Geruchsbelastung nur noch die Räume auf der rechten Seite des Gebäudes nutzbar. Die ölgetränkte Holzbalkendecke des EG über dem linken Gebäudeteil musste vollständig ausgetauscht werden. Die ölbelasteten Bruchsteinwände sind durch eine Vorsatzschale mit einem Spezial-Flies mit Aktivkohle Zwischenlage entkoppelt.
Während der Bauzeit traten weitere schwerwiegende Baumängel u.a. an der Tragkonstruktion der Holzbalkendecken zu Tage. Es mussten deshalb zusätzliche Unterzüge eingebaut werden. Im Zuge der Baumaßnahme erfolgte die Umsetzung aller nach Brandschutzkonzept geforderten Sicherheitseinrichtungen.
Innenraumgestaltung
Alle Oberflächen von Innenwänden sind saniert und erhielten einen Silikatanstrich. Die WC-Räume wurden neu geplant und gebaut. Um die Akustik in den Räumen und Fluren zu verbessern, sind akustisch wirksame abgehängte Decken eingebaut. Die Bodenbeläge sind nach neuem Farb- und Materialkonzept und den Anforderungen der Nutzer vollständig erneuert. Die vorhandenen Geländer sind aufgrund unzureichender Höhe und Füllstababstände ertüchtigt. Die gesamte Haustechnik wurde gemäß Stand der Technik erneuert.
Der Einbau der Beleuchtung erfolgte nach Lichtberechnung. Hierbei kamen energiesparende LED-Leuchten zum Einsatz. Die gesamte Wasser- und Abwasserinstallation ist ausgetauscht. Leitungen mit stehendem Wasser bzw. wenig genutzte Stränge sind zur Verbesserung der Trinkwasserhygiene zurückgebaut. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral elektrisch. Die alten Rohr- und Leitungstrassen wurden weitestgehend wiederverwendet, um die alte Bausubstanz zu schonen.
Die alte dezentrale Ölheizung mit Einzelöfen und das Heizöllager wurden zurückgebaut. Im seitlichen Anbau sind nun WC und Behinderten-WC eingebaut.
Das Gebäude wird nun über ein neues hybrides Heizsystem mit Wärmepumpe und einem kleinen Gas-Brennwertgerät beheizt. Alle Heizkörper wurden durch Röhrenradiatoren ersetzt.
Außen:
Es waren noch viele Fenster ohne Isolierverglasung vorhanden. Diese Fenster sind gegen neue isolierverglaste denkmalgerechte Holzfenster aus Eiche mit einem U-Wert von 1,1 W/m²k ausgetauscht. Das Dachgeschoss ist jetzt nach aktuellen Anforderungen wärmegedämmt.
Die nicht mehr benötigten baufälligen Schornsteine der dezentralen Einzel-Ölöfen wurden abgebrochen. Die alte Dacheindeckung im Bereich des Schornsteinabbruchs ist gegen eine Naturschiefereindeckung ausgetauscht, die anderen Dachflächen sind nach Erfordernissen repariert. Im EG ist auf der Straßenseite der neue, geforderte Notausgang gebaut. Das prägnante Naturstein-Sichtmauerwerk ist nach Erfordernissen neu verfugt, beschädigte Gesimse und Gewändesteine sind ersetzt.
